Weiße Wüste
Die berühmte und dramatisch leuchtende Kalkstein-Landschaft der Farafra-Senke ist eins der erstaunlichsten Naturwunder Ägyptens. Die merkwürdigen Steinformationen, die sich über die weiße Oberfläche dieser Wüstengegend erheben, sind auch bekannt unter dem Namen Inselberge. Hier bei Farafra bilden sie eine 20 km lange Serie von freistehenden Formationen vor der nördlichen Felsumrahmung. Es gibt sie auch auf anderen Planeten und so wurden die Kalksteinformationen in der Weißen Wüste von Farafra genauer untersucht, um ein besseres Verständnis für die Oberfläche des Mars zu bekommen. Hier auf unserer Erde werden sie gebildet, wenn ein Plateau beginnt einzubrechen und dabei das härtere Gestein stehen bleibt, während das weichere Gestein erodiert. Die Gesteinsschichten lagerten sich ab, als die heutige Wüste noch unter Wasser lag. Abgestorbene maritime Fauna sank auf den Meeresgrund und formierte sich dort nach und nach zu Sedimentgestein.
Wenn man die glitzernde weiße Landschaft betrachtet, bedeckt mit beinahe übernatürlichen Formen, spektakulär beleuchtet bei Sonnenaufgang, am Mittag und besonders bei Sonnenuntergang, ist es schwer zu glauben, dass diese dramatische und beeindruckende Szenerie einen so banalen Ursprung hat.
Die äußeren Regionen der Weißen Wüste, die der Straße am nächsten liegen, sind bekannt als die Alte Wüste. Diese Gegenden waren ohne Allradfahrzeuge erreichbar.
Sobald Sie in die Weiße Wüste gelangen, sind Sie umgeben von leuchtend weißen Pilz-Formationen. Dann erreichen Sie die äußerst zähe, 300 Jahre alte Akazie, auch Santa genannt. Danach erreichen Sie die Gegend Weißes Haus und schließlich gelangen Sie in die so genannte Neue Wüste, die erst seit der Einführung von Allradfahrzeugen leicht erreichbar ist. Die Autoritäten des Neuen Tals planen, die Straßen mithilfe von Steinen zu markieren und alle Fahrer, die diese Straßen verlassen, zu bestrafen.
Die Nacht in der Weißen Wüste zu verbringen ist eine geradezu magische Erfahrung. Sie sitzen am Feuer, rauchen eine Sheesha (Wasserpfeife), erfahren Interessantes über Navigationssterne, oder vielleicht sitzen Sie auch einfach ganz ruhig da und betrachten das Wunder des klaren, reinen Nachthimmels voller leuchtender Sterne über Ihnen. Wie auch immer, es wird ein unvergessliches Erlebnis sein. Bei Sonnenaufgang versteckt das erwachende Licht die Sterne und enthüllt gleichzeitig Formen und Schatten, die wieder verschwinden, sobald die Sonne höher steigt. Auf diese Weise präsentiert sich Ihnen je nach Tageszeit eine neue, andere Wüste.

Die Djarra Tropfsteinhöhle
Fast genau auf halber Strecke zwischen dem Nil und der Farafra-Oase weist ein Schild an der Straße darauf hin, dass Sie die selten besichtigte, spektakuläre Djarra Tropfsteinhöhle erreicht haben. Man gelangt in die Höhle durch eine enge Öffnung, die es nicht erlaubt aufrecht zu gehen und keinerlei Hinweis gibt auf die phantastische Welt, die es zu entdecken gilt. Der Schaft führt zu einem steilen aber weich sandigem Abstieg, der direkt in die Tropfsteinhöhle führt. Der angehäufte Sand unter Ihren Füßen ist wie ein tiefer, weicher Teppich auf dem Sie laufen, er hat die Oberfläche des Höhlenbodens eingeebnet, sodass die Aufmerksamkeit unvermeidlich nach oben gerichtet wird. Dort präsentiert sich ein beeindruckendes Bild von Stalaktiten, die von der Decke der Höhle herabhängen. Wo diese Stalaktiten sich mit stehenden Stalagmiten verbunden haben, sind auch durchgehende Säulen entstanden. Die Tatsache, dass sich unter Ihren Füßen ebenso überwältigende Formationen befinden, wird von den sich dort befindlichen Sandmengen verdeckt. Diese Gebilde brauchen tausende von Jahren, um nur einen Zentimeter zu wachsen. Stalaktiten sind normalerweise feucht und scheinen leicht zu tröpfeln, da sie sich noch im Prozess der Entwicklung befinden. Hier in Djarra hingegen sind sie trocken und voll ausgebildet, dies allein schon bestätigt den Eindruck, dass diese Tropfsteinhöhle wirklich uralt sein muss.

Die sich über Sie erhebende Decke der Höhle gleicht dem Gewölbe einer Kathedrale oder Moschee mit einzigartigen und komplexen Formationen aus hängendem Kalkstein, geformt durch stetig tropfendes Wasser, das schon vor langer Zeit aus dieser trockenen Höhle verschwunden ist. Sie könnten ohne Weiteres einen ganzen Tag damit verbringen, diesen Formationen nachzuspüren und für jede von ihnen eine passende Beschreibung zu finden.

Am Eingang der Höhle hängt ein Gästebuch, in das jeder, der diese abgelegene und unversehrte Sehenswürdigkeit besucht hat, stolz seinen Namen schreiben kann.
Nachdem diese Tropfsteinhöhle 1874 von Gerhard Rohlfs, der die Sahara zweimal auf der Suche nach der legendären Stadt Timbuktu durchquert hatte, entdeckt worden war, wurde sie zunächst wieder vergessen. Erst in den späten 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie schließlich wiederentdeckt. Seitdem ist sie ein ehrfurchtgebietender Ort geblieben, der denjenigen, die das Glück haben ihn zu sehen, die Tiefe der Stille enthüllt.

Qasr El-Farafra
Vor langer Zeit wurde Farafra mit Bezug auf den Gott Hathor To-ihw oder das Land der Kuh genannt. Das alte Dorf Qasr El-Farafra wurde um eine Festung (qasr) herum gegründet, die aus Lehmziegeln gebaut war und 120 Räume aufwies. Die Festung gab dem Dorf auch seinen Namen. Die Dorfbewohner zogen sich in diese Anlage zurück, wenn sie von feindlichen Stämmen angegriffen wurden. 1958 stürzte die Festung ein. Die Überreste von Qasr El-Farafra haben schmale Gassen und Häuser aus sonnengetrockneten Lehmziegeln mit alten Holztüren.

Das moderne Dorf ist ein liebenswerter, gemächlicher Ort mit recht staubigen Straßen und traditionell verzierten Häusern. Manchmal werden sie auch von dem einheimischen Künstler Badr mit Landschaften, Vögeln, anderen Tieren und mit Versen aus dem Koran dekoriert. Die Beduinen leben in einstöckigen Häusern, die meist blau gestrichen sind, denn man glaubt, dass dies den bösen Blick abwehrt. In der Regel ist ein Haus in mehrere Bereiche unterteilt und wird von mehr als einer Familie bewohnt. Diese verschiedenen Bereiche sind durch Freilicht-Korridore miteinander verbunden.

Die Palmgärten am Rande der Stadt sind üppig und saftig grün, ein schöner und friedlicher Ort für Spaziergänge. Sie werden von den alteingesessenen Familien der Oase gepflegt und sind voller Dattelpalmen, Olivenbäume und Orangenhaine. Donnerstags morgens werden auf dem einheimischen Markt Gemüse, Obst, Kleidung und Haushaltswaren verkauft. Prächtig gekleidete Frauen mit traditionellem Schmuck und Tattoos kommen um etwas zu kaufen oder zu verkaufen. Die Leute von Farafra sind sehr religiös und donnerstags nachts wird manchmal ein Sufi-Zikr am Grab des örtlichen Heiligen veranstaltet.

In Farafra gibt es keine pharaonischen Stätten zu besichtigen. Ein Museumsbesuch, die Palmenplantagen, nahe gelegene heiße Quellen und die Möglichkeit, im Pool des Badawiya Hotels zu schwimmen, bieten den Touristen viel angenehme Unterhaltung. Die Wüstenlandschaften der Umgebung stellen für die meisten Reisenden die größte Attraktion dieser Region dar.

Badr Museum
Badr Abdel-Moghni war der erste Künstler der Oase, der seine Arbeiten in Galerien in Kairo und der ganzen Welt ausstellte. Der aus Farafra stammende Künstler baute sein Museum selbst im traditionellen Baustil Farafras. Das Museum ist voller Skulpturen, Sandbilder und Arbeiten mit Öl- und Wasserfarben. Badrs Kunst stellt das Wüstenleben der Menschen von Farafra dar und ist auch eine beeindruckende Illustration von dem, was früher war. Zum Museum gehört auch ein Garten mit zahlreichen surrealen Skulpturen.

Heiße Quellen
In Farafra gibt es die besten und attraktivsten heißen Quellen aller Oasen. Bir Sitta (Quelle Sechs) und Bir Sabaa (Quelle Sieben) sind dampfende heiße Quellen 5 km außerhalb der Stadt. Die Wassertemperatur liegt bei 38 Grad und ist somit ideal zum Baden. Einheimische nutzen die Quelle tagsüber, während Touristen bei Sonnenuntergang oder bei Mondschein dort ein Bad nehmen können. Das Wasser wird durch ein Rohr in ein Becken geleitet, das tief genug zum Schwimmen ist. Etwa 7 km von der Stadt entfernt befindet sich eine weitere von saftigem Grün umgebene Quelle, Bir Itnayn w'Ishrin (Quelle 22), deren Becken tiefer ist.
Sich in einer schwefelhaltigen heißen Quelle zu entspannen ist die perfekte Art, eine Wüstensafari zu beenden.

Abu Nuss See
Dieser See liegt ungefähr 15 km nördlich von Farafra und ist ein attraktives Ausflugsziel. Er ist die Heimat einer bunten Vogelwelt. Durch seinen steinigen Grund wird sein Wasser nicht zu trübe und ein kurzes kühles Bad ist in der Sommerhitze einfach wunderbar. Der See ist auch ein schöner Platz für den Sonnenuntergang, die Hügel der Weißen Wüste zusammen mit dem Grün der Vegetation im Hintergrund bilden einen reizvollen Kontrast zum Blau des Wassers.

Ain Besai
Dieser Ort liegt ungefähr 12 km südwestlich von Qasr El-Farafra. Hier gibt es einen römischen Friedhof, Überreste von zwei Lehmziegel-Gebäuden, eine kleine verfallene Kapelle ohne Inschriften und einige nicht dekorierte Felsgräber zu besichtigen.